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BREITBAND-NEWS: Die Dauer des Breitbandausbaus

Wieso dauert der Glasfaserausbau eigentlich so lange?

 

Baustellen überall. Es wird gebaggert, Leitungen werden verlegt. Für viele Bürgerinnen und Bürger liegt der Gedanke nahe, dass der Glasfaserausbau bald bei ihnen ankommt.

Das kann stimmen, muss aber nicht. Fakt ist: bis 2032 will der Gesetzgeber schnelles Internet verlegt haben. Doch nicht von den Kommunen, sondern von privaten Unternehmen.
Das Telekommunikationsgesetz gibt vor, dass der Ausbau in erster Linie eigenwirtschaftlich erfolgen soll.

Was das bedeutet, erläutert Timm Jonas, stellvertretender Betriebsleiter beim Eigenbetrieb Breitband Bergkamen (BBB):
“Da, wo es sich wirtschaftlich für die Unternehmen lohnt, wird gebaut. Die Kommunen haben darauf keinen Einfluss.”

Denen bleibt lediglich die Unterstützerrolle, indem sie Genehmigungsverfahren beschleunigen.
Erst, wenn niemand bauen will, kann staatlich beziehungsweise kommunal gefördert werden.

Vor diesem Hintergrund hatten sich Kamen, Bönen und Bergkamen 2017 mit dem eigens gegründeten BBB für einen geförderten Ausbau beworben.
Doch der unterliegt strengen Regularien und darf auch nur in speziellen Wohnlagen erfolgen.
Jonas: “Ein flächendeckender Ausbau kann über Fördermittel nicht realisiert werden. Dies wäre dem Steuerzahler nicht vermittelbar.”

In den Folgejahren wuchs jedoch das wirtschaftliche Interesse am Glasfaserausbau. Viele Unternehmen versuchten, sich in Ballungsgebieten schnell in Stellung zu bringen und versprachen in ihren Vorvermarktungen jedoch zu viel.
Mehrere Unternehmen lockten in Kamen, Bönen und Bergkamen nach dem Motto: Je mehr Interesse bekundet wird, desto schneller wird gebaut.
Plötzlich gab es unterschiedliche Angebote, die zu einem Anschluss führen sollten.
Die Kommunen standen bundesweit ohne eine Handhabe zwischen den Stühlen. Der Gesetzgeber bestimmte schließlich den freien Markt als federführend.
Und parallel dazu lief bereits der geförderte Ausbau an. Die Verwirrung war perfekt. Und sie ist es noch immer, wie die Mitarbeiter beim BBB feststellen.

Denn das Thema ist überall präsent. Die Leistung der bestehenden Netze reicht stellenweise nicht mehr aus, die Nachfrage steigt.
Überall sind Baustellen. Die Ungeduld wächst, doch der Ausbau dauert lange, aber wieso?

Beim BBB erklären sie die Situation so: "Der Ausbau von Glasfasernetzen, insbesondere in Deutschland, ist ein komplexer Prozess, der auf vielfältige Schwierigkeiten stößt.
Zuerst der enthusiastische Beginn, aber dann kommt es oft zu Verzögerungen und Stagnation in den verschiedenen Ausbaugebieten."

Ein zentraler Grund liegt in dem dem Glasfaserausbau zugrundeliegenden Bauprinzip selbst. Die Netze müssen meist miteinander wachsen. Es sind viele Arbeitsschritte notwendig, um das Licht “fließen” zu lassen. Viele Auftragnehmer und Subunternehmer müssen dazu untereinander koordiniert werden.
Genehmigungsverfahren dauern in dem einen Gebiet mal länger als erwartet, wenn Tiefbauer ihre Baumaßnahmen nicht ordentlich anmelden, durchführen, verlassen oder dokumentieren. Das sind nur einige von vielen weiteren direkten Auswirkungen auf den Baufortschritt. Der Ausbau ist kapitalintensiv. Je länger er dauert, desto mehr finanzielle und wirtschaftliche Probleme ergeben sich für die Unternehmen. Viele kämpfen bereits mit Finanzierungsproblemen sowie hohen Schulden und müssen ihre Baukosten senken.
Das geht meist nur zu Lasten der kommunalen Vorgaben in puncto Baustellensicherheit und Ausführungsqualität. Hier müssen die Kommunen jedoch ihrer Aufsichtspflicht im Sinne der Bürgerinnen und Bürger nachkommen und streng auf die Einhaltung der Auflagen bestehen. Nicht selten werden Tiefbaugenehmigungen entzogen und es dauert, bis die Lücke durch ein anderes Unternehmen gefüllt wird, das die Arbeiten übernimmt.

Beim BBB führen sie viele Gespräche mit nahezu allen Beteiligten des Geschehens und erleben es immer wieder: “Zuletzt scheuen viele Menschen auch den Aufwand für den Anschluss oder sehen keine Notwendigkeit, solange das Alte noch funktioniert. Wäre die Bereitschaft zu Investitionen im privaten Bereich höher, wäre zumindest eines der Probleme gelöst.”

So vergehen Woche um Woche, Monat um Monat, Jahr um Jahr. “Und oft, wie die Gründe zeigen, weil sich alles gegenseitig beeinflusst.”, schlussfolgern sie beim BBB. Den Verantwortlichen ist bewusst, dass die Eigentümerinnen und Eigentümer in den Förderausbaugebieten ebenfalls ein großes Interesse an Terminzusagen haben. Doch auch hier ist die Konkretisierung ebenso wie beim eigenwirtschaftlichen Ausbau aus vielerlei Gründen schwierig. Der BBB kündigt jedenfalls an, sobald ein Termin absehbar ist, an dem ein Dienst auf dem freien Markt gewählt und gebucht werden kann, einen Brief an die entsprechenden Eigentümerinnen und Eigentümer zu schicken. Bis dahin müssen sich die Menschen in den Fördergebieten noch gedulden.